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Auf dieser Seite erzähle ich von meinen persönlichen
Erfahrungen mit der Nymphensittichhandaufzucht und hoffe damit anderen
Haltern, die selbst eine Handaufzucht durchführen müssen,
eine Art "Anleitung" und Hilfe geben zu können. Ich habe auch häufiger
Kontakt zu Haltern, die Wellensittiche oder Ziegensittiche mit der Hand
aufziehen müssen. Die Handaufzucht ist der von Nymphensittichen ähnlich.
Auch andere Privathalter, die ein oder mehrere Küken mit der
Hand aufzogen, haben mir berichtet, dass die ständige Fütterung
und das ständige Aufstehen körperlich und häufig auch psychisch
belastend sein können. Besonders bei der ersten Handaufzucht, bei
der noch keine Erfahrungen vorliegen. Deshalb versuche ich im folgenden
möglichst viele Fragen zur Handaufzucht zu beantworten.
Zubehör für die notwendige Handaufzucht:
Ich habe die Schale mit Frotteetüchern, z.B. kleinen Frotteehandtüchern,
und Küchenpapier (Aldi) ausgepolstert.
Auf dem Foto ist zu sehen, dass das Papageienküken auf Hoblspänen sitzt. Ich kenne mich mit der Aufzucht von Papageien nicht aus, bei Sittichküken reichen meist die oben genannten Tücher und Küchenpapier. Möglich, dass Papageienküken diese zerstören würden. Meistens sind es jedoch in privater Haltung ohne Zuchtabsichten Vögel wie Wellensittiche oder Nymphensittiche, seltener andere vergleichsweise kleinen Sitticharten, die problemlos auf Tüchern sitzen können. Hobelspäne haben den Nachteil, dass sie mit Schimmelpilz belastet sein können und das könnte unter Umständen zu Problemen bei der Aufzucht führen. Küken besitzen noch kein voll funktionierendes Immunsystem und könnten empfindlich auf Späne (z.B. auch Buchenholzgranulat) reagieren. Bei einem einzelnen handaufgezogenen Nestling empfiehlt es sich weiche Gegenstände in die Schale zu legen. Einige Halter haben mir erzählt, dass sie dafür z.B. kleine Kuscheltiere oder zusammengerollte Socken verwenden. Ich habe zusammengerollte weiche Frotteewaschlappen dazugelegt. Sie geben Wärme und Halt, das Küken kann sich daran anlehnen, so wie es sich sonst an die Geschwister lehnen würde. Die Schale wird in eine Aufzuchtbox gestellt und dort gewärmt. Es gibt professionelle Aufzuchtboxen im Handel, aber diese sind sehr teuer und für eine gelegentliche Aufzucht in Privathaltung nicht unbedingt notwendig. Alternativ kann man ohne große Umstände eine Aufzuchtbox selbst basteln. Hierfür braucht man eine Kiste ohne Deckel. Kisten aus Kunststoff sind empfehlenswert, da sie stabiler sind als Pappkisten. Die Kistenhälfte, in der sich die Schale befindet, wird mit einem Handtuch abgedeckt. Mit einer Wärmequelle, z.B. einem Elstein Dunkelstrahler, wird die Box dann so bestrahlt, dass die erforderliche Temperatur in der Box erreicht wird. Die Temperatur ist abhängig von dem Alter des Kükens und wird später detaillierter beschrieben. Das Handtuch kann auch feucht sein, um die erforderliche Luftfeuchtigkeit zu erreichen. Wenn die Schale irgendwann zu klein wird sollte das Küken in eine größere gepolsterte Schale umgesetzt werden. Wenn die Nestlinge bereits befiedert sind können sie auch in die mit einer Unterlage versehene Box gesetzt werden und benötigen die Schale nicht unbedingt. In die Box bzw. die Schale werden ein Thermometer und ein Hygrometer
zur Kontrolle der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit gelegt. Es gibt auch
Kombi-Geräte mit Thermometer und Hygrometer in einem Gerät.
Temperatur in der Aufzuchtbox
Ich habe nach der ersten Lebenswoche langsam mit dem Absenken der Temperatur, alle 2 Tage ein halbes Grad, begonnen, etwas später täglich ein halbes Grad. Wenn die Küken auffällig unruhig oder
müde / apathisch wirken kann dies an einer zu hohen oder zu niedrigen
Temperatur liegen. Aus der Aufzuchtbox entnommene Küken (Fütterung,
Gewichtskontrolle) sind immer warm. Wenn sich ein Küken kühl
anfühlt ist die Temperatur in der Box zu niedrig.
Luftfeuchtigkeit in der Aufzuchtbox
Schuppige Haut beim Küken kann ein Hinweis auf zu niedrige Luftfeuchtigkeit sein. Die Luftfeuchtigkeit
wird mit einem Hygrometer gemessen, das man z.B. im Baumarkt oder in verschiedenen
Onlineshops bekommen kann.
Gewichtskontrolle
Sie können für das Wiegen eine einfache digitale Küchenwaage verwenden, bei der die Schale oben abgenommen werden kann. Es empfiehlt sich etwas Küchenpapier oder etwas weichen Stoff oder auch gleich die ganze Schale ohne Küken auf die Waage zu legen. Dies ist hygienischer, bequemer und gefahrloser für die Kleinen. Vergessen Sie nicht die Waage noch einmal auf Null zu stellen, wenn
Sie das Papier oder die Schale aufgelegt haben und erst dann das Küken drauf- oder reinzusetzen.
Die Fütterung
Die Futtermenge sollte ca. 10% des Körpergewichts betragen.
Eigentlich enthält der Aufzuchtbrei alles, was ein Küken benötigt. Man kann natürlich zusätzliche Mittel druntermischen, z.B. Lactobacillen für die Darmflora. Man muss aufpassen, dass die Küken bei der Fütterung nicht
zu sehr auskühlen, man sollte also möglichst eine Wärmequelle
in der Nähe haben, damit die Temperaturunterschiede zwischen Aufzuchtbox
und Zimmer nicht zu groß sind. Ich habe eine Rotlichtlampe verwendet,
die hinter einem Tuch stand, so dass das Rotlicht das Küken nicht
direkt bestrahlt hat. So wurde es nicht zu heiß und das Küken
trocknete auch nicht aus. Alternativ kann man z.B. auch einen Elstein Dunkelstrahler
verwenden. Für diesen werden Keramikfassungen empfohlen, da Plastikfassungen
zu heiß werden können.
1. Kropfsonde
Deshalb werde ich im folgenden nur über die Fütterung mit der Spritze berichten: 2. Futterspritze (ohne Kanüle)
Probieren Sie am besten aus, was bei Ihnen am besten funktioniert. Der Brei sollte vorsichtig eingeflößt werden, um zu vermeiden, dass er in die Luftröhre gelangt und das Küken erstickt. Außerdem muss es natürlich die Zeit haben den Brei auch zu hinunterzuschlucken. Es ist normal, dass die Fütterung anfangs nicht sofort klappt und man nicht gleich Futter in den Schnabel bekommt oder zunächst zu wenig Brei angenommen wird. Das ist nicht schlimm, jetzt darf man nur nicht die Geduld verlieren. Versuchen Sie es eine Zeitlang, irgendwann hat es noch bei jedem geklappt. Wenn Sie zu wenig Brei füttern konnten ist dies nicht so schlimm. Füttern Sie beim nächstenmal bereits früher als in den üblichen Intervallen. Überfüttern Sie das Küken nicht, denn dann kann es zu
Verdauungsproblemen oder einer Kropferschlaffung durch die Überfüllung
des Kropfes kommen.
Je jünger das Küken desto flüssiger muss der Brei sein. Etwas ältere Nestlinge können den Brei vielleicht auch von einem kleinen Löffel nehmen. Nestlinge, die nicht von klein auf an die Fütterung mit der Spritze gewöhnt sind nehmen den Brei vom Löffel manchmal besser an. Nach der Fütterung sollte der Brei, der im Gefieder gelandet ist,
sofort mit einem Tuch entfernt werden, da er sonst wie Beton am Körper
und den Federn kleben kann und sehr schwer zu entfernen ist.
Fütterungsintervalle
Wichtig: meine hier aufgeführten Fütterungsintervalle sind keine allgemeingültigen Regeln, sondern meine persönlichen Erfahrungswerte - die Anzahl der Fütterung hängt von der Verdauung ab, also davon, wie schnell der Kropf nach der Fütterung wieder geleert ist. Dies muss also immer be(ob)achtet werden. Meine Fütterung:
* alle 3 Stunden reicht im Prinzip im Normalfall, ich musste in diesem Fall etwas häufiger füttern, weil das Küken sich in den ersten Lebenstagen nicht normal entwickelte Danach beginnt das langsame Absetzen bis zur Selbständigkeit.
Handaufzuchtfutter-Empfehlung:
Sie erhalten dieses Futter leider kaum im Zoofachhandel, sondern vorwiegend in Internet-Shops. Wenn es eilt oder an Wochenenden und Feiertagen können Sie versuchen
einen Züchter ausfindig zu machen,
der Ihnen übergangsweise mit Handaufzuchtfutter aushelfen kann.
Aufzuchtfutter ist kein Handaufzuchtfutter!
Aufzuchtfutter ist für die Nestlinge und die Gabe über die
Spritze allerdings zu grob, denn im Gegensatz zum Handaufzuchtfutter ist
es nicht pulverförmig. Deshalb sollte es möglichst pulverförmig
zerkleinert (mit dem Löffel zerdrückt oder einer Mühle gemahlen
werden) und mit abgekochtem warmen Wasser zu einem Brei gemischt werden.
Selbständigkeit
So wurde mein Küken selbständig:
Nach Erreichen der "offiziellen" Selbständigkeit nach 6-7 Wochen
habe ich die Futtermenge und Anzahl der Fütterungen reduziert, so
dass ich nur noch zweimal täglich, morgens und abends zugefüttert
habe. Allerdings habe ich öfter kontrolliert, dass der Kropf auch
tagsüber immer mal wieder gefüllt ist und der Kleine fit und
aktiv ist.
Gleichzeitig habe ich viel Keimfutter und Hirse angeboten, um das Lernen des Entspelzens der Körner zu erleichtern. Das passiert auch durch Abgucken bei den anderen Sittichen. Nach ca. 1,5 Wochen hatte der Kleine keinen Appetit mehr auf die Spritze. Seinen Vater hat er allerdings noch wochenlang angebettelt, bis er ganz selbständig war. Die vollständige Resozialisierung nach der Handaufzucht hat noch
einige Monate dauert, heute ist er ein völlig normaler Nymphensittich
wie aus einer Naturbrut, ohne die bei Handaufzuchten oft zu beobachtende
Fixierung auf den Menschen, mit blutsfremder Partnerin und Brutabsichten.
Dies ist in Außenvolieren oder Vogelzimmern sicher einfacher zu erreichen
als bei einem ständigen direkten Kontakt mit den Haltern, z.B. bei
der Haltung in einem Wohnzimmer. Dennoch hilft auch hier der frühe
Kontakt zu der Vogelgruppe während der Handaufzucht beim Einfügen
in den Schwarm.
Weiterführende Links:
Bei weiteren Fragen zur notwendigen Handaufzucht wenden Sie sich bitte an eines meiner Partnerforen.
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