Die notwendige Handaufzucht von Sittichen

Auf dieser Seite erzähle ich von meinen persönlichen Erfahrungen mit der Nymphensittichhandaufzucht und hoffe damit anderen Haltern, die selbst eine Handaufzucht durchführen  müssen, eine Art "Anleitung" und Hilfe geben zu können. Ich habe auch häufiger Kontakt zu Haltern, die Wellensittiche oder Ziegensittiche mit der Hand aufziehen müssen. Die Handaufzucht ist der von Nymphensittichen ähnlich.
 
 
Ich züchte nicht hobbymäßig, habe aber durch meine Zuchtgenehmigung die Möglichkeit "Unfälle" ausbrüten zu lassen. In den vielen Jahren Sittichhaltung gab es zwei solcher "Unfälle" bei einem Nymphensittichpärchen, bei dem insgesamt drei Küken schlüpften.

Auf dem Foto sehen Sie ein kleines Nymphensittichküken, bei dem ich im Alter von ca. 3 Tagen mit der Handaufzucht beginnen musste. Es trägt noch seinen gelben Flaum und der Kropf ist sichtbar gefüllt. 

Ich persönlich empfinde die Handaufzucht als anstrengend. Je jünger das Küken, desto häufiger muss gefüttert werden. In den ersten Lebenstagen muss alle 1,5-2 Stunden gefüttert werden, auch nachts. Für Halter, die tagsüber zur Arbeit gehen, kann dies schwierig werden.

Nymphensittich: Nymphensittichküken bei der Handaufzucht

Auch andere Privathalter, die ein oder mehrere Küken mit der Hand aufzogen, haben mir berichtet, dass die ständige Fütterung und das ständige Aufstehen körperlich und häufig auch psychisch belastend sein können. Besonders bei der ersten Handaufzucht, bei der noch keine Erfahrungen vorliegen. Deshalb versuche ich im folgenden möglichst viele Fragen zur Handaufzucht zu beantworten.
 

Zubehör für die notwendige Handaufzucht:

  • Aufzuchtbox (kaufen oder selbst basteln, Anleitung weiter unten)
  • Schale
  • Material zum Auspolstern der Schale, z.B. Froteetücher und rauhes Küchenpapier
  • Wärmequelle (z.B. Elstein Dunkelstrahler 60W)
  • Thermometer (zur Messung der Temperatur in einer selbstgebastelten Aufzuchtbox und des Futterbreies)
  • Waage (z.B. digitale Küchenwaage)
  • Handaufzuchtfutter (z.B. Orlux Handmix, Quikon Handformula)
  • Futterspritzen (je nach Größe und Alter 2-5 ml ohne Kanüle)

 
 

Papageienküken bei der HandaufzuchtBau einer Aufzuchtbox
Das Küken wird in eine ausgespolsterte Schale, z.B. eine Keramikschale von Ikea oder eine Plastikschale (siehe Foto, hier wird ein Papagei mit der Hand aufgezogen) mit einer weichen rutschfesten Unterlage, gesetzt. Die Größe der Schale hängt von der Größe des Kükens (Alter und Sittichart) ab. Es sollte bequem in der Schale sitzen können.

Ich habe die Schale mit Frotteetüchern, z.B. kleinen Frotteehandtüchern, und Küchenpapier (Aldi) ausgepolstert.
Die Küchentücher haben meiner Meinung nach den Vorteil, dass sie jederzeit schnell und einfach ausgetauscht werden können und die Unterlage so leichter saubergehalten werden kann. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Küchentücher nicht zu glatt sind und sich das Küken gut darauf halten kann, damit es die Beine nicht weit ausstrecken kann, so dass sie in einer natürlichen Stellung bleiben.So vermeidet man die Gefahr von Spreizbeinen.

Auf dem Foto ist zu sehen, dass das Papageienküken auf Hoblspänen sitzt. Ich kenne mich mit der Aufzucht von Papageien nicht aus, bei Sittichküken reichen meist die oben genannten Tücher und Küchenpapier. Möglich, dass Papageienküken diese zerstören würden. Meistens sind es jedoch in privater Haltung ohne Zuchtabsichten Vögel wie Wellensittiche oder Nymphensittiche, seltener andere vergleichsweise kleinen Sitticharten, die problemlos auf Tüchern sitzen können. Hobelspäne haben den Nachteil, dass sie mit Schimmelpilz belastet sein können und das könnte unter Umständen zu Problemen bei der Aufzucht führen. Küken besitzen noch kein voll funktionierendes Immunsystem und könnten empfindlich auf Späne (z.B. auch Buchenholzgranulat) reagieren.

Bei einem einzelnen handaufgezogenen Nestling empfiehlt es sich weiche Gegenstände in die Schale zu legen. Einige Halter haben mir erzählt, dass sie dafür z.B. kleine Kuscheltiere oder zusammengerollte Socken verwenden. Ich habe zusammengerollte weiche Frotteewaschlappen dazugelegt. Sie geben Wärme und Halt, das Küken kann sich daran anlehnen, so wie es sich sonst an die Geschwister lehnen würde.

Die Schale wird in eine Aufzuchtbox gestellt und dort gewärmt. Es gibt professionelle Aufzuchtboxen im Handel, aber diese sind sehr teuer und für eine gelegentliche Aufzucht in Privathaltung nicht unbedingt notwendig. Alternativ kann man ohne große Umstände eine Aufzuchtbox selbst basteln. Hierfür braucht man eine Kiste ohne Deckel. Kisten aus Kunststoff sind empfehlenswert, da sie stabiler sind als Pappkisten.

Die Kistenhälfte, in der sich die Schale befindet, wird mit einem Handtuch abgedeckt. Mit einer Wärmequelle, z.B. einem Elstein Dunkelstrahler, wird die Box dann so bestrahlt, dass die erforderliche Temperatur in der Box erreicht wird. Die Temperatur ist abhängig von dem Alter des Kükens und wird später detaillierter beschrieben. Das Handtuch kann auch feucht sein, um die erforderliche Luftfeuchtigkeit zu erreichen.

Wenn die Schale irgendwann zu klein wird sollte das Küken in eine größere gepolsterte Schale umgesetzt werden. Wenn die Nestlinge bereits befiedert sind können sie auch in die mit einer Unterlage versehene Box gesetzt werden und benötigen die Schale nicht unbedingt.

In die Box bzw. die Schale werden ein Thermometer und ein Hygrometer zur Kontrolle der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit gelegt. Es gibt auch Kombi-Geräte mit Thermometer und Hygrometer in einem Gerät.
 
 

Temperatur in der Aufzuchtbox
Die Temperatur der Aufzuchtbox sollte bei einem gerade geschlüpften Küken bei 37°C liegen und muss im Laufe der Zeit kontinuierlich abgesenkt werden, bis bei vollständiger Befiederung Zimmertemperatur erreicht ist. Wird der Nestling erst einige Tage nach dem Schlupf in die Handaufzucht genommen, kann die Temperatur bereits entsprechend tiefer sein.

Ich habe nach der ersten Lebenswoche langsam mit dem Absenken der Temperatur, alle 2 Tage ein halbes Grad, begonnen, etwas später täglich ein halbes Grad.

Wenn die Küken auffällig unruhig oder müde / apathisch wirken kann dies an einer zu hohen oder zu niedrigen Temperatur liegen. Aus der Aufzuchtbox entnommene Küken (Fütterung, Gewichtskontrolle) sind immer warm. Wenn sich ein Küken kühl anfühlt ist die Temperatur in der Box zu niedrig.
Die Temperatur sollte dann nochmals geprüft und bei Bedarf verändert werden.
 
 

Luftfeuchtigkeit in der Aufzuchtbox
Die Luftfeuchtigkeit muss bei Sittichen bei 45-55% liegen.
Dies kann z.B. durch Luftbefeuchter im Raum oder durch Legen eines feuchten Handtuchs auf die Box (ca. 1/4 - 1/2 der Box) erreicht werden.

Schuppige Haut beim Küken kann ein Hinweis auf zu niedrige Luftfeuchtigkeit sein.

Die Luftfeuchtigkeit wird mit einem Hygrometer gemessen, das man z.B. im Baumarkt oder in verschiedenen Onlineshops bekommen kann.
 
 

Gewichtskontrolle
Die Nestlinge sollten täglich morgens vor der ersten Futtergabe gewogen und der Gewichtsverlauf dokumentiert werden. So können Sie den Gewichtsverlauf und die Entwicklung besser kontrollieren und wissen auch, wieviel Futterbrei das Küken braucht.

Sie können für das Wiegen eine einfache digitale Küchenwaage verwenden, bei der die Schale oben abgenommen werden kann. Es empfiehlt sich etwas Küchenpapier oder etwas weichen Stoff oder auch gleich die ganze Schale ohne Küken auf die Waage zu legen. Dies ist hygienischer, bequemer und gefahrloser für die Kleinen.

Vergessen Sie nicht die Waage noch einmal auf Null zu stellen, wenn Sie das Papier oder die Schale aufgelegt haben und erst dann das Küken drauf- oder reinzusetzen.
 
 

Papageienküken bei der HandaufzuchtGewichtsverlauf
Wenn die Handaufzucht erfolgreich verläuft und das Küken gesund ist nimmt es täglich zu. Bereits nach der ersten Lebenswoche hat es sein Gewicht mehr als verdoppelt. Nach etwa 2/3 der Nestlingszeit ist das Höchstgewicht erreicht. Mein Küken hat danach wieder leicht abgenommen. Es ist durchaus normal, dass das Höchstgewicht des Kükens gegen Ende der Nestlingszeit höher als das der erwachsenen Vögel sein kann. Die danach folgende Gewichtsabnahme sollte allerdings 1/5 des Höchstgewichts allerdings nicht überschreiten.
 
 

Die Fütterung
Der Brei, der jedesmal frisch mit abgekochtem Wasser zubereitet wird, sollte immer nach Anleitung zubereitet werden. Er sollte eine Temperatur von 38-maximal 40°C haben. Er darf nicht heißer sein, weil die Gefahr einer Kropfverbrennung sonst sehr groß ist und nicht viel kühler, weil er sonst schlechter verdaulich ist.

Die Futtermenge sollte ca. 10% des Körpergewichts betragen.
Ich habe mit der Fütterung von 10 bis maximal 12% des Körpergewichts gute Erfahrungen gemacht.
Deshalb muss man das Gewicht des Kükens kennen. Unter anderem aus diesem Grund ist das tägliche Wiegen morgens wichtig.

Eigentlich enthält der Aufzuchtbrei alles, was ein Küken benötigt. Man kann natürlich zusätzliche Mittel druntermischen, z.B. Lactobacillen für die Darmflora.

Man muss aufpassen, dass die Küken bei der Fütterung nicht zu sehr auskühlen, man sollte also möglichst eine Wärmequelle in der Nähe haben, damit die Temperaturunterschiede zwischen Aufzuchtbox und Zimmer nicht zu groß sind. Ich habe eine Rotlichtlampe verwendet, die hinter einem Tuch stand, so dass das Rotlicht das Küken nicht direkt bestrahlt hat. So wurde es nicht zu heiß und das Küken trocknete auch nicht aus. Alternativ kann man z.B. auch einen Elstein Dunkelstrahler verwenden. Für diesen werden Keramikfassungen empfohlen, da Plastikfassungen zu heiß werden können.
 

1. Kropfsonde
Die Fütterung mit einer sogenannten Kropfsonde ist schwierig und sollte nicht ohne fachliche Anleitung erfolgen. Bei der Fütterung mit einer Kropfsonde wird der Futterbrei in der erforderlichen direkt in den Kropf gebracht, ohne dass das Küken schlucken muss. Für mich hat die Kropfsondenfütterung zwei Nachteile: erstens gibt es - außer bei einer notwendigen Zwangsfütterung bei Küken, die nicht über die Spritze gefüttert werden können - aus meiner Sicht keinen Grund den Brei direkt in den Kropf einzubringen und den natürlichen Schluckreflex zu umgehen. Zweitens birgt diese Art der Fütterung die Gefahr, dass Speiseröhre und Luftröhre miteinander verwechselt werden. Wird der Kropfsonde dann aus Versehen in die Luftröhre geführt wird das Küken ersticken.

Deshalb werde ich im folgenden nur über die Fütterung mit der Spritze berichten:

2. Futterspritze (ohne Kanüle)
 
Mein Nymphensittichküken bei der Fütterung.

Nach der Zubereitung des Breies wird edie notwendige Menge in die Spritze gezogen. Das Küken wird aus seiner Schale genommen und auf den Tisch gesetzt, am besten, wie erwähnt, mit Rotlicht in der Nähe, um ein Auskühlen zu verhindern.

Häufig reißen die Küken den Schnabel bereits selbst auf, spätestens wenn es sich an diese Art der Fütterung gewöhnt hat.

Falls das nicht der Fall sein sollte können Sie mit der Spritzenspitze vorsichtig seitlich am Schnabel entlanggleiten. Normalerweise öffnen die Küken den Schnabel daraufhin. Ich habe auch mal gelesen, dass man mit der freien Hand gegen den Schnabelwinkel drücken kann, um den Bettelreflex anzuregen. Auf der anderen Schnabelseite kann die Spritze eingeführt werden.

Nymphensittich bei der Handaufzucht, Fütterung mit Handaufzuchtfutter in der Spritze

Probieren Sie am besten aus, was bei Ihnen am besten funktioniert.

Der Brei sollte vorsichtig eingeflößt werden, um zu vermeiden, dass er in die Luftröhre gelangt und das Küken erstickt. Außerdem muss es natürlich die Zeit haben den Brei auch zu hinunterzuschlucken.

Es ist normal, dass die Fütterung anfangs nicht sofort klappt und man nicht gleich Futter in den Schnabel bekommt oder zunächst zu wenig Brei angenommen wird. Das ist nicht schlimm, jetzt darf man nur nicht die Geduld verlieren. Versuchen Sie es eine Zeitlang, irgendwann hat es noch bei jedem geklappt. Wenn Sie zu wenig Brei füttern konnten ist dies nicht so schlimm. Füttern Sie beim nächstenmal bereits früher als in den üblichen Intervallen.

Überfüttern Sie das Küken nicht, denn dann kann es zu Verdauungsproblemen oder einer Kropferschlaffung durch die Überfüllung des Kropfes kommen.
 

Je jünger das Küken desto flüssiger muss der Brei sein. Etwas ältere Nestlinge können den Brei vielleicht auch von einem kleinen Löffel nehmen. Nestlinge, die nicht von klein auf an die Fütterung mit der Spritze gewöhnt sind nehmen den Brei vom Löffel manchmal besser an.

Nach der Fütterung sollte der Brei, der im Gefieder gelandet ist, sofort mit einem Tuch entfernt werden, da er sonst wie Beton am Körper und den Federn kleben kann und sehr schwer zu entfernen ist.
 
 

Fütterungsintervalle
Gefüttert wird bei normaler Entwicklung innerhalb der ersten Lebenstage ungefähr alle 2 Stunden. Dies muss allerdings in jedem Fall beobachtet werden, da es auch Küken gibt, die bereits nach 1,5 Stunden einen leeren Kropf haben. Dieser Fütterungsintervall gilt auch nachts, hier kann man eventuell auf 2-3 Stunden ausdehnen, das muss man beobachten. Ab der zweiten bis zur vierten Woche kann immer etwas weniger gefüttert werden. 

Wichtig: meine hier aufgeführten Fütterungsintervalle sind keine allgemeingültigen Regeln, sondern meine persönlichen Erfahrungswerte - die Anzahl der Fütterung hängt von der Verdauung ab, also davon, wie schnell der Kropf nach der Fütterung wieder geleert ist. Dies muss also immer be(ob)achtet werden.

Meine Fütterung:
1. Lebenswoche: alle 2 Stunden
2. Lebenswoche (ab 8. Lebenstag): alle 2-3 Stunden, nachts alle 3 Stunden *
3. Lebenswoche (ab 14. Lebenstag): alle 4 Stunden, nachts alle 5 Stunden
4. Lebenswoche (ab 21. Lebenstag): alle 5-6 Stunden, nachts alle 6-7 Stunden
5. Lebenswoche (ab 28. Lebenstag) bis zum Ende der Nestlingszeit: alle 6-7 Stunden, nachts 7-8 Stunden

* alle 3 Stunden reicht im Prinzip im Normalfall, ich musste in diesem Fall etwas häufiger füttern, weil das Küken sich in den ersten Lebenstagen nicht normal entwickelte

Danach beginnt das langsame Absetzen bis zur Selbständigkeit.
 
 

Handaufzuchtfutter-Empfehlung:
Ich empfehle als Handaufzuchtfutter Quikon Hand-Formula oder Orlux Handmix. Sie enthalten im Gegensatz zu anderen bekannten Marken kein synthetisches Vitamin K3.

Sie erhalten dieses Futter leider kaum im Zoofachhandel, sondern vorwiegend in Internet-Shops.

Wenn es eilt oder an Wochenenden und Feiertagen können Sie versuchen einen Züchter ausfindig zu machen, der Ihnen übergangsweise mit Handaufzuchtfutter aushelfen kann.
 
 

Aufzuchtfutter ist kein Handaufzuchtfutter!
Nur wenn es gar nicht anders geht können Sie übergangsweise, bis das Handaufzuchtfutter da ist, normales Aufzuchtfutter verwenden. Aufzuchtfutter ist im Zoofachhandel oder im Landhandel erhältlich. Es ist für Küken eigentlich nicht geeignet, weil es von der Zusammensetzung und der Konsistenz her nicht dem entspricht, was ein Küken braucht. Es ist ja eigentlich ein Aufzuchtfutter für die Elternvögel. Deshalb eignen sich sogenannte Aufzuchtfutter oder Aufzucht- und Konditionsfutter nicht für die Handaufzucht von Küken!

Aufzuchtfutter ist für die Nestlinge und die Gabe über die Spritze allerdings zu grob, denn im Gegensatz zum Handaufzuchtfutter ist es nicht pulverförmig. Deshalb sollte es möglichst pulverförmig zerkleinert (mit dem Löffel zerdrückt oder einer Mühle gemahlen werden) und mit abgekochtem warmen Wasser zu einem Brei gemischt werden. 
 
 

Selbständigkeit
Informationen darüber, in welchem Alter Nestlinge normalerweise selbständig werden, finden sie im Sittichlexikon bei der jeweiligen Sittichart.
Bei der Handaufzucht verzögert sich die Selbständigkeit meinen Erfahrungen und den Berichten vieler Halter nach bzw. ist erschwert. Besonders Nymphensittiche scheinen von diesem Problem betroffen zu sein, sie betteln noch recht lange nach der Futterspritze.

So wurde mein Küken selbständig:
Ich habe es bereits vor Erreichen der Selbständigkeit unter meiner Aufsicht immer häufiger zu seinen Eltern bzw. in die ganze Sittichgruppe gesetzt, um eine frühe Gewöhnung in sein zukünftiges Zuhause, das Vogelzimmer, und ein gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen.

Nach Erreichen der "offiziellen" Selbständigkeit nach 6-7 Wochen habe ich die Futtermenge und Anzahl der Fütterungen reduziert, so dass ich nur noch zweimal täglich, morgens und abends zugefüttert habe. Allerdings habe ich öfter kontrolliert, dass der Kropf auch tagsüber immer mal wieder gefüllt ist und der Kleine fit und aktiv ist. 
In diesem Fall kam mir auch sein Vater zu Hilfe - er fütterte den Kleinen jetzt mit. Die Eltern hatten das Kleine immer gefüttert, allerdings scheinbar falsch, denn sein Geschwisterchen war trotz gefüllten Kropfes gestorben und ihm selbst ging es auch so schlecht, dass ich tagelang Zweifel hatte ihn überhaupt durchzubringen, zumal ich mit der Handaufzucht im Alter von ca. 3 Tagen beginnen musste und gar keine praktische Erfahrung hatte.

Gleichzeitig habe ich viel Keimfutter und Hirse angeboten, um das Lernen des Entspelzens der Körner zu erleichtern. Das passiert auch durch Abgucken bei den anderen Sittichen.

Nach ca. 1,5 Wochen hatte der Kleine keinen Appetit mehr auf die Spritze. Seinen Vater hat er allerdings noch wochenlang angebettelt, bis er ganz selbständig war.

Die vollständige Resozialisierung nach der Handaufzucht hat noch einige Monate dauert, heute ist er ein völlig normaler Nymphensittich wie aus einer Naturbrut, ohne die bei Handaufzuchten oft zu beobachtende Fixierung auf den Menschen, mit blutsfremder Partnerin und Brutabsichten. Dies ist in Außenvolieren oder Vogelzimmern sicher einfacher zu erreichen als bei einem ständigen direkten Kontakt mit den Haltern, z.B. bei der Haltung in einem Wohnzimmer. Dennoch hilft auch hier der frühe Kontakt zu der Vogelgruppe während der Handaufzucht beim Einfügen in den Schwarm.
 
 

Weiterführende Links:




Bei weiteren Fragen zur notwendigen Handaufzucht wenden Sie sich bitte an eines meiner Partnerforen.

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