Die Brut bei Sittichen: Tipps und Verhinderung von unerwünschtem Nachwuchs

 
Wenn Sie in Deutschland wohnen dürfen Ihre Sittiche nicht einfach Nachwuchs bekommen. Hierfür ist eine Zuchtgenehmigung erforderlich. Diese benötigen Sie, auch wenn sie nur einmal Nachwuchs zulassen möchten und auch dann, wenn Sie diesen behalten möchten. Wenn Sie unerwarteten Nachwuchs bekommen können Sie eine sogenannte Ausnahmegenehmigung beantragen. Allerdings gibt es die nicht in jeder Region, manchmal müssen Sie auch für einmaligen Nachwuchs gleich eine Zuchtgenehmigung beantragen.

Das erforderliche Wissen über die Zucht von Sittichen können Sie in der Rubrik Zucht nachlesen.
 

Aber auch wenn Sie gar keinen Nachwuchs planen und kein Nistkasten zur Verfügung steht kann es passieren, dass es zur Paarung kommt und das Weibchen Eier legt. Diese werden ersatzweise auf den Boden gelegt, in oder auf Schränken und anderen "Nistgelegenheiten".
 

Was ist bei einer Eiablage zu tun?
Sollte es so aussehen als ob Ihr Weibchen bald Eier legt oder dies sogar geschehen sein sollte empfiehlt es sich einen Nistkasten anzubieten, in dem sie in Ruhe brüten kann. In der Natur brüten fast alle Sitticharten ebenfalls in (Baum-)Höhlen. Wie groß der Kasten ungefähr sein sollte und welche Einstreu Sie verwenden können, können Sie im Sittichlexikon unter der jeweiligen Art in der Tabelle mit den Zuchtdaten nachlesen. Dort finden Sie auch Informationen über die durchschnittliche Anzahl an Eiern und die Brutdauer.
 
 
Wichtig:
Eier dürfen nicht einfach weggenommen werden! 

In der Natur fallen die Eier zum Teil Fressfeinden zum Opfer und werden dann vom Weibchen ersetzt, indem es weitere Eier nachlegt. Nimmt man die Eier also weg, werden sie in vielen Fällen jedesmal ersetzt. Werden mehr als 8-10 Eier nacheinander gelegt nennt man dies Legezwang. Die Eiproduktion benötigt sehr viel Kraft. Werden zu viele Eier gelegt bzw. wird zusätzlich nicht auf eine ausgewogene Ernährung geachtet, wird die Henne erschöpft und die Eier verändern sich, sie bekommen eine weiche Schale oder die Schale fehlt sogar ganz (sogenanntes "Windei"). Das Ei ist dann nur von einer Haut umhüllt. Die Folge des Legezwang bzw. nicht ausreichender Ernährung ist meist eine Legenot, das heißt, dass die weichschaligen Eier nicht mehr gelegt werden können. Legenot ist unbehandelt lebensgefährlich! Es gibt Fälle, in denen sich die Hennen regelrecht totgelegt haben.

Es gibt natürlich Ausnahmen von der Regel. Einige, meistens unerfahrene, Weibchen legen machmal nur ein bis zwei Eier auf den Käfigboden oder irgendwoanders hin und beachten diese nicht. In dem Fall können die Eier nach ein bis zwei Tagen ersatzlos entfernt werden. Sollte das Weibchen doch weiterlegen sollten die Eier nicht mehr weggenommen werden.
 
 

Wie verhindere ich unerwünschten Nachwuchs?
Auch wenn Sie einen Nistkasten anbieten und die Henne brüten lassen müssen Sie nicht zwangsläufig Nachwuchs zulassen.

Sie können die Eier nach der Eiablage abkochen oder an den Enden anstechen. So kann in diesen Eiern kein Leben entstehen. Wobei die Anstech-Methode recht unsicher zu sein scheint - relativ viele Halter, die die Eier angestochen haben, haben trotzdem Nachwuchs bekommen. 

Das Abkochen ist erfahrungsgemäß nicht jedermanns Sache. Alternativ können Sie im Fachhandel kostengünstig Kunststoffeier in der richtigen Größe bekommen und die Eier recht "bequem" und schnell umtauschen. Die Behandlung oder der Austausch der Eier sollte möglichst bald (bis zu maximal 2 Tagen) nach der Eiablage erfolgen, damit sich kein Leben bilden kann, das abgetötet wird. Oft werden Eier im Abstand von ungefähr zwei Tagen gelegt, deshalb ist eine zweitäge Nistkastenkontrolle, möglichst dann, wenn das Weibchen den Kasten gerade verlassen hat, um z.B. zu trinken, sinnvoll.
 
 
Kunststoffeier, Plastikeier für Wellensittiche, Nymphensittiche und andere Sittiche Foto: Kunststoffeier,  Plastikeier
Links: Kunststoffeier für Großsittiche, rechts Kunststoffeier für Wellensittiche.

Hinweis: Die im Fachhandel als "Wellensittichkunststoffeier" verkauften Eier sind oft auch für größere Arten wie z.B. Nymphensittiche, Springsittiche,Ziegensittiche oder Rosellas geeignet! 

Die als "Großsitticheier" angebotenen Eier sind oft zu groß für diese Arten, sie eignen sich besser für große Großsittiche wie z.B. Großer Alexandersittich.

Tipp:
Um bei abgekochten Eiern Verwechslungen zu vermeiden und zu erkennen welche Eier Sie bereits behandelt haben sollten Sie sie mit einem ungiftigen Stift markieren. Bei Kunststoffeiern ist dies normalerweise nicht notwendig, da sie bei genauem Hinsehen meistens recht gut von den echten Eiern zu unterscheiden sind.
 
 

Wie lange bleibt das Weibchen auf den Eiern?
Normalerweise bleibt das Weibchen die normale Brutzeit lang auf den Eiern, manchmal auch einige Tage länger. Wenn nach dieser Zeit kein Nachwuchs geschlüpft ist verlässt es immer häufiger und für immer längere Zeit den Nistkasten. Wenn es fast nur noch draußen ist (meinen Beobachtungen nach ca. 7-10 Tage nach Ende der regulären Brutzeit) kann der Kasten mit den Eiern entfernt werden. Im Sittichlexikon können Sie nachlesen, wei lange die Brutzeit bei Ihren Sittichen normalerweise dauert.
 
 

Was ist noch zu beachten?
Ernährung:
Das richtige Futter ist während der Brutzeit sehr wichtig. Es sollte neben dem normalem Körnerfutter aus viel Obst, Gemüse und Grünfutter, Eifutter, Keimfutter und Mineralstoffen (Calcium für die Eischalenproduktion) bestehen. Die Henne bekommt Mineralstoffe über entsprechende Präparate, zerkleinerte Eischalen, Gritsteine und losen Grit. 

Die Sepia-Schale hingegen ist umstritten, nicht nur wegen ihres Salzgehaltes und der Diskussion um das Wässern von Sepiaschale, um den Salzgehalt zu verringern. Sie soll nach Meinung einiger Fachleute angeblich auch Legenot fördern können. Ich biete keine Sepia an, da es meiner Meinung nach gute Alternativen gibt und meiner Erfahrung nach reichen die anderen Mittel auch völlig aus, um eine unkomplizierte Brut zu gewährleisten.

Mit dieser Ernährung bekommt das Weibchen genügend Energie für die Eiproduktion und die Eiablage.

Luftfeuchtigkeit:
Die Luftfeuchtigkeit sollte bei Sittichen immer bei ca. 50-60% liegen.

Ruhe:
Die Brutstätte sollte stressfrei und vor neugierigen Besuchern oder Eindringlingen geschützt sein. Andere Sittiche können die Brut sonst möglicherweise stören oder sogar zerstören. Wenn Sie eine Störung beobachten sollten Sie das brütende Pärchen von den anderen Sittichen trennen.
 
 

Wieso legt mein einzeln gehaltenes Weibchen Eier und kann daraus Nachwuchs entstehen?
Auch einzeln gehaltene Weibchen können triebig werden und anfangen Eier zu legen. Sie nehmen oft den Menschen als Ersatzpartner, Kraulen und Streicheln kann den Bruttrieb in solchen Fällen häufig fördern. Auch für sie sollte dann ein Nistkasten zur Verfügung stehen. 

Auch zwei Sittichweibchen können triebig werden. Entweder übernimmt dann eins der Weibchen die Rolle des Männchens oder sie wissen nicht wohin mit ihren Trieben - einer der Gründe, weshalb ich besonders bei bruttriebigen Arten wie z.B. Nymphensittich, Ziegensittich oder Springsittich von der gleichgeschlechtlichen Haltung eher abraten möchte.

Bei allein gehaltenen Weibchen kann natürlich kein Nachwuchs entstehen (es sei denn sie war / waren während einer Urlaubsbetreuung etc. gerade mit Männchen zusammen). Deshalb müssen die Eier auch nicht behandelt oder ausgetauscht werden. Trotzdem müssen auch einzeln gehaltene Weibchen entsprechendes Zusatzfutter bekommen, um die Eiproduktion zu erleichtern.

Sie sollten auf jeden Fall darüber nachdenken, ob Sie Ihrem einzeln gehaltenen Weibchen nicht doch noch ein Männchen gönnen. Diese Haltung wäre wesentlich artgerechter. Gerade bei Nymphensittichen ist diese Haltung während der Brut problematisch, weil Nymphensittiche sich hierbei normalerweise abwechseln. Dieser Instinkt ist nach wie vor vorhanden und es fehlt etwas im Brutablauf.
 
 

Was sind Legezwang und Legenot?
Es kann vorkommen, dass ein Weibchen nicht mehr mit dem Eierlegen aufhört, obwohl die Eier nicht weggenommen werden. Wenn die durchschnittliche Anzahl an Eiern deutlich überschritten wird spricht man von übermäßigem Eierlegen oder Legezwang. Dies kann auf Dauer zu weichschaligen Eiern führen, die nicht mehr aus dem Eileiter herausgepresst werden können und zur Legenot führen. Auch einzeln gehaltene Weibchen können unter Legezwang leiden. Hier finden Sie weitere Informationen über Legezwang und Legenot.
 
 
 
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